3.1 Projekte der Fachschulen

a) Lebensarche Königsborn

Die Verzahnung von Theorie und Praxis spielt am Märkischen Berufskolleg in allen Bildungsgängen eine wichtige Rolle. So werden z.B. in einem Projekt von Auszubildenden der Fachklassen des Bäckerhandwerks gemeinsam mit Kindern der Kindertagesstätte Königsborn Backwaren hergestellt. Gerade in diesen Projekten bekommen die Schülerinnen und Schüler Einblick in die Stärken und Schwächen von Menschen mit Behinderung. Sie erfahren einen verständnisvollen Umgang miteinander, lernen Toleranz und Einfühlungsvermögen.
Zukünftig sind weitere Aktivitäten zwischen dem Märkischen Berufskolleg und dem heilpädagogischen Kindergarten Königsborn geplant. Hierzu gehört die Einrichtung einer „mobilen Backstube“, die von den Kindern des Lebenszentrums an einzelnen Tagen genutzt werden kann.
Seit einigen Jahren führt das Märkische Berufskolleg mehrmals jährlich eine sogenannte „Inklusive Kunstwerkstatt“ in den Räumen der Schule durch. Beschäftigte der Martin-Luther-King-Werkstatt für Menschen mit Behinderung malen und gestalten gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Fachschule für Heilerziehungspflege. Ergebnisse dieser inklusiven Werkstatt werden in regelmäßigen Ausstellungen präsentiert. So fanden in diesem Rahmen bereits Ausstellungen zum Thema „Zufall und Gestaltung“ und „Selbstdarstellung“ statt.

b) Förderschule mit dem Förderschwerpunkt „emotionale und soziale Entwicklung“

Die Schülerinnen und Schüler der Fachschule für Heilerziehungspflege führen einmal wöchentlich eine Psychomotorik-Stunde mit Kindern der Regenbogenschule durch.
Neben der Verbesserung der Bewegungsfähigkeit und Bewegungsfreude stehen die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung durch Bewegung, Körperwahrnehmung und Selbstbewusstsein und die Stärkung von Sach- und Sozialkompetenz im Vordergrund.
Die Schülerinnen und Schüler des Märkischen Berufskollegs planen diese psychomotorischen Sequenzen, führen sie durch und werten sie anschließend im Unterricht aus.
Dieses Projekt wird auch in den kommenden Schuljahren ein fester Bestandteil der Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin/zum Heilerziehungspfleger sein, um die Teamfähigkeit und das berufsbezogene Handeln der Lernenden zu erweitern.

c) Tageseinrichtungen für Kinder und Einrichtungen der
Behindertenhilfe

In den Fachschulen für Sozialpädagogik und Heilerziehungspflege hat die Zusammenarbeit mit dem Lernort Praxis seit vielen Jahren Tradition.
Die Träger und Mitarbeiterinnen der Tageseinrichtungen für Kinder bzw. anderer sozialpädagogischer Einrichtungen werden fortlaufend über alle Entwicklungen der Fachschulen in regelmäßigen Arbeitssitzungen informiert und in die Planungen mit einbezogen. Eine ähnliche Entwicklung besteht in der Fachschule für Heilerziehungspflege.
In der Planungsphase der Fachschule für Heilerziehungspflege gehörte die Zusammenarbeit zwischen dem Märkischen Berufskolleg und Vertretern aus Einrichtungen der Behindertenhilfe zum festen Bestandteil der Ausbildung.
Aus dieser gemeinsamen Arbeit entwickelte sich der Pädagogische Beirat. Dieser setzt sich aus Kolleginnen und Kollegen des Bildungsganges, den Schülerinnen und Schülern sowie Vertreterinnen und Vertretern der Praxis zusammen. Die Auswahl der Praxisvertreter orientiert sich an der Präsenz verschiedener Arbeitsfelder.
Dieses Spektrum ermöglicht eine fortlaufende Evaluation, somit also eine permanente Weiterentwicklung und Modifizierung der Inhalte und Methoden.
Neben der Entwicklung der Praxisaufgaben, der Beurteilungskriterien und eines Leitfadens zur Praxisanleitung hat der Pädagogische Beirat gemeinsam mit dem Märkischen Berufskolleg eine Fortbildungsveranstaltung zum Thema „Bewegung und Behinderung“ geplant und durchgeführt. Außerdem haben Praxisvertreter vor allem im Rahmen des berufspraktischen Jahres durch Erfahrungsberichte aus ihrer beruflichen Praxis den Unterricht erweitert. So haben Praxisvertreter zum Beispiel zu den Themen „Kollegiale Beratung“, „Biografiearbeit“ und „Angehörigenarbeit“ referiert bzw. informierten zum neuen Wohn- und Teilhabegesetz in Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe.

d) Sonderausbildung „Bewegungserziehung im Kleinkind-
und Vorschulalter“

„Bewegung hat für einen ganzheitlichen und integrierten Entwicklungsprozess eines Kindes, für seine individuelle, harmonische Persönlichkeitsentfaltung eine ganz fundamentale Bedeutung. In, mit und durch Bewegung entwickeln, erhalten und sammeln Kinder bedeutsame Lebenskompetenzen und –erfahrungen. Bewegung unterstützt die Entwicklung der körperlichen Aktivität, die den Geist und die Seele nachhaltig beeinflusst. Ohne Bewegung gibt es keine ganzheitliche Erziehung, keine Persönlichkeitsentwicklung und damit keine Identitätsentwicklung.“(Sportjugend NRW)

Untersuchungen zeigen nun, dass zunehmend mehr Kinder bereits im Vorschulalter Bewegungs- und Verhaltensauffälligkeiten zeigen.
Kinder leiden unter eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten durch verlorengegangenen Spielraum. Sie weisen Haltungsschäden auf, leiden unter Allergien oder werden als zunehmend unruhig und unkonzentriert beschrieben und sind einer zunehmenden Reizüberflutung ausgesetzt.
Die immer größer werdende Diskrepanz zwischen der Bedeutung der Bewegung einerseits und der Beeinträchtigung der Bewegungsentwicklung andererseits betrifft gerade die Kindertageseinrichtungen als wichtige öffentliche Erziehungsinstitution.
Der gesetzliche Bildungs- und Erziehungsauftrag der Kindergärten, in dem die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung hervorgehoben und betont wird, spricht in sehr eindeutiger Weise für die Forderung, Bewegungserziehung als integralen Bestandteil des pädagogischen Auftrages von Kindergärten anzuerkennen.
Mit dem Konzept „Anerkannter Bewegungskindergarten“ wollen LandesSportBund Nordrhein-Westfalen e.V. und Sportjugend NRW Sportvereine und Kindergärten ermutigen, sowohl die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern zu unterstützen als auch der Bewegungsarmut und Bewegungslosigkeit von Vorschulkindern gemeinsam entgegenzuwirken. Die Kindertagesstätte erweitert mit diesem Konzept ihr pädagogisches Profil durch vielfältige und qualifizierte Bewegungsangebote.
Um als Erzieherin in einem „anerkannten Bewegungskindergarten“ tätig werden zu können, ist eine Sonderausbildung erforderlich.
Ab dem Schuljahr 2009/10 können angehende ErzieherInnen der Fachschule für Sozialpädagogik die Übungsleiter-B-Ausbildung auf der 2. Lizenzstufe „Bewegungserziehung im Kleinkind- und Vorschulalter“ erwerben. Gemeinsam mit dem Kreissportbund Unna bietet das MBK im Umfang von 70 Lerneinheiten diese Qualifizierungsmaßnahme an.

e) Förderschule mit dem Schwerpunkt Sprache in Kamen-Heeren

Die Schülerinnen und Schüler der Fachschule für Motopädie führen wöchentlich Motopädie-Förderstunden direkt in der Förderschule durch. In Kooperation mit den dortigen Lehrkräften werden vor Ort in integrativer Form mit intensiver „Gruppen-Einzelförderung“ über Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrungen Angebote zur Entwicklungsförderung von Motorik, Sensorik, Sprache, Kognition, sozialer und emotionaler Kompetenz gemacht. Für die Förderschülerinnen und -schüler soll die Erfahrung von protektiven Faktoren möglich sein, wie Selbstwirksamkeit und internaler Kontrollüberzeugung.
Die gemeinsamen Förderstunden werden von den Motopädie-Schülerinnen und -schülern gemeinsam geplant, durchgeführt, ausgewertet und durch eine Fachlehrkraft in den Unterricht eingebunden. Damit werden kontinuierlich über das Schuljahr hinweg die beruflichen Handlungskompetenzen der Schülerinnen und Schüler in der Auseinandersetzung mit den eigenen Praxiserfahrungen weiter entwickelt.

f) Qualifizierung durch den Kreis- und Landessportbund

Die Fachschule für Motopädie kooperiert eng mit dem Kreissportbund Unna, der gemeinsammit dem Landessportbund Qualifikationsmaßnahmen auf der 2.Lizenzstufe des LSB