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22.03.07

Rentner als Job-Trainer am MBK

Erneut fanden im Rahmen des SchuB-Projektes Seminare zur Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche statt.

Rentner geben Jugendlichen Bewerbungstipps: Hier ber�t Paul Hesse (r.) Amin Sadki (l.). Im Hintergrund analysieren Christia�ne Roth Klassen, Siegfried Lipthal und Uwe Wehns (v.l.n.r.) das simulierte Vorstellungsgespr�ch. Foto: Hennes
Gef�rdert wird das Projekt von der Initiative "Generationen verbinden!" der Sparkasse Unna und des Hellweger Anzeigers.

Artikel aus dem Hellweger Anzeiger vom 10.03.2007

Rentner als Job-Trainer wollen nur nicht müssen

Zwei Ruheständler bereiten Berufsschüler auf den Personalchef vor

Von Sebastian Smulka

UNNA Der junge Bewerber macht einen guten Eindruck, aber dann den entscheidenden Fehler. Nach der Ausbildung will ich nach Frankreich gehen. Sein Glück: Der Personalchef ist bereits Rentner.
Es ist nur eine Übung, und wenn die beiden "Personalchefs" Bernd Richnow und Paul Hesse ein Urteil sprechen, dann hat niemand eine Chance verspielt, sondern seine Aussichten auf einen Job verbessert.
Was sie den Bewerbern aus den Berufsgrundschul-und Werkstattklassen des Märkischen Berufskollegs vor der versammelten Klasse verkünden, öffnet den Schülern die Augen. Während die Lehrer des Kollegs sie fachlich auf den Berufseinstieg vorbereiten, zeigen ihnen die beiden Wirtschaftssenioren, wie sie sich richtig verkaufen.
Manches, worüber sich die Schüler bis dahin keine Gedanken gemacht haben, klingt aus dem Mund der erfahrenen Berufspraktiker auf einmal nur noch logisch. So zum Beispiel im Fall des frankophilen Schülers aus der Werkstattklasse: "Wenn ich eine Nachwuchskraft heranziehe, will ich sie später auch in meinem Betrieb einsetzen können", sagt Bernd Richnow, 53, der früher einmal Ausbildungsleiter auf dem Bergwerk Ost in Hamm gewesen ist.
In kompakten Tagesseminaren bereiten Richnow und sein 62-jähriger Kollege Paul Hesse, Industriekaufmann und früherer IHK-Lehrlingsprüfer, die Schüler auf den großen Tag vor - die Begegnung mit Meister, Filialleiter oder Personalchef.
Sie legen den Schülern Einstellungstests vor, analysieren mit ihnen Videofilme von gestellten Vorstellungsgesprächen und bitten sie schließlich selbst vor die Kamera.
Für viele ist das ein erhellendes Erlebnis. Schlechte Vorbereitung ist ein "Das reicht vom schlechten Outfit bis zur mangelnden Vorbereitung auf die Frage, warum man eigentlich diesen Job haben will." Und so sitzt der Bewerber mit zerrissenen Jeans vorm Metallbaumeister, druckst erst einmal eine Weile herum, um dann anzuheben: "Eigentlich wollte ich ja Bäcker werden, aber...".
Früher hätte so etwas die Geduld von Ex-Ausbildungsleiter Richnow sicher ein wenig auf die Probe gestellt. Heute nimmt er es gelassen, hat sogar Spaß dabei. "Wenn wir nach den Trainings nach Hause fahren und uns sagen können, dass es Spaß gemacht hat, dann ist das unser Lohn", erklärt er, warum er auch im Ruhestand immer noch den Personalchef spielt.
Kollege Hesse sieht es ähnlich: "Die Alternative wäre, im Garten im Liegestuhl zu sitzen und dem Gras beim Wachsen zuzusehen."
Was beide auch gelegentlich tun, aber auf Dauer eben ziemlich eintönig finden. Es ist die richtige Balance zwischen ehrenamtlicher Tätigkeit und süßem Müßiggang, die das Rentnerleben entspannt macht, ohne es langweilig werden zu lassen. "Wir arbeiten ja gern", sagt Paul Hesse. "Aber wir wollen nicht müssen."