Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage

Implementierung in das Schulprogramm

Das Projekt „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ kann als aktueller Beitrag zur Personal- und Schulentwicklung am Märkischen Berufskolleg des Kreises Unna verstanden werden.

Erläuterung des Projektes

„Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ ist ein Projekt von und für Schülerinnen und Schüler. Es bietet ihnen die Möglichkeit, das Klima am Märkischen Berufskolleg aktiv mitzugestalten, indem sie sich bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Rassismus, Mobbing und Gewalt wenden. Etwa 800 Schulen und mehr als 500.000 Schülerinnen und Schüler nehmen derzeit an dem Projekt teil.
Damit das Märkische Berufskolleg (MBK) den Titel erwerben kann, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Mindestens 70 Prozent aller Menschen, die am MBK lernen und lehren (Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und technisches Personal) verpflichten sich mit ihrer Unterschrift, sich künftig gegen jede Form von Diskriminierung am MBK und auch außerhalb aktiv einzusetzen, bei Konflikten einzugreifen und regelmäßig Projekttage zum Thema durchzuführen. Die Schülerinnen- und Schülervertretung hat das Projekt inzwischen in der Schulkonferenz vorgestellt, sich durch die regionale Ansprechpartnerin der RAA fortbilden lassen und ihrerseits die Klassensprecherinnen und Klassensprecher informiert. Außerdem wurde das Projekt an der ganzen Schule mittels Lautsprecherdurchsagen, Anzeigen auf dem Vertretungsplan, das Weihnachtsvolleyballturnier und ähnliche Maßnahmen bekannt gemacht. Sodass bis Ende Dezember 2010 die Unterschriften von mindestens 70 Prozent der Mitglieder der Schulgemeinschaft gesammelt werden können. In diesem Zusammenhang ist eine bildungsgangübergreifende Ausstellung zu den Themen Rassismus, Diskriminierung und Zivilcourage für den Zeitraum Dezember 2010 bis Januar 2011 geplant.

Wer sich zu den Zielen einer Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage bekennt, unterschreibt folgende Selbstverpflichtung:
Ich werde mich dafür einsetzen, dass es zu einer zentralen Aufgabe einer Schule wird, nachhaltige und langfristige Projekte, Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden. Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, wende ich mich dagegen und setze mich dafür ein, dass wir in einer offenen Auseinandersetzung mit diesem Problem gemeinsam Wege finden, uns zukünftig einander zu achten. Ich setze mich dafür ein, dass an meiner Schule ein Mal pro Jahr ein Projekt zum Thema Diskriminierungen durchgeführt wird, um langfristig gegen jegliche Form von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, vorzugehen.
Sobald die Anerkennungsbestätigung am Märkischen Berufskolleg eingeht werden die Schülerinnen und Schüler eine Patin oder einen Paten für das Projekt suchen und weitere Vorbereitungen für die entsprechende Auszeichnung sowie den in Absprache mit der Schulleitung gestalteten feierlichen Festakt treffen.
Ein entsprechendes Schild, das unsere Schule als Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage erkennbar macht wird dann überreicht und angebracht.
Allerdings ist der Titel kein Preis und keine Auszeichnung für bereits geleistete Arbeit, sondern eine Selbstverpflichtung für die Gegenwart und die Zukunft.  Eine Schule, die den Titel trägt, ist Teil eines Netzwerkes, das sagt: Wir übernehmen Verantwortung für das Klima an unserer Schule und unser Umfeld.


Das Projekt kann folgenden Kontexten zugeordnet werden:

  • Leitlinien des Märkischen Berufskollegs des Kreises Unna
  • Bildungsgangübergreifende Projekte zu den Leitlinien
  • Konzept zur politischen Bildung am Märkischen Berufskolleg Unna
  • Schulinterne Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung


Zur Erläuterung der entsprechenden Optionen wird auf die folgenden Ausführungen verwiesen.


Leitlinien des Märkischen Berufskollegs des Kreises Unna

Soziales Lernen

Durch problemorientiertes Vorgehen im Rahmen des Projektes kann ein sehr hohes Maß an intrinsisch motiviertem subjektivem Interesse der Schülerinnen und Schüler generiert werden. Damit entsteht eine Grundlage der Entwicklung rationaler politischer Urteils- und Handlungskompetenz. Davon werden Klassengemeinschaften unmittelbar, die Schulgemeinschaft durch entsprechende Multiplikatorenwirkung und bildungsgangübergreifende Bildungsangebote mittelbar im Sinne sozialen Lernens profitieren.
Interkulturelles und integratives Lernen
Das Projekt bietet, zumal Menschen mit Migrationshintergrund oder Beeinträchtigungen häufig Adressaten von Diskriminierung sind und in diesem Zusammenhang couragiertes Handeln wichtig erscheint, einen besonderen Rahmen, interkulturelle Kompetenz zu entwickeln, eigene Einstellungen ausländischen Mitbürgern gegenüber zu reflektieren sowie kulturelle und ethnische Gemeinsamkeiten und Verschiedenheiten zu erkennen. Dieses beinhaltet, Vielfalt zuzulassen, zu akzeptieren und daraus die Chance für gemeinsame Lernprozesse abzuleiten.
Die Toleranz Minderheiten gegenüber bezieht sich ebenso auf behinderte Menschen. Wir verstehen die Stärken und Schwächen behinderter Menschen als Möglichkeit wechselseitigen Lernens.
Lernen im Bereich der Gesundheit
Diskriminierung, Mobbing und Rassismus haben Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Betroffenen. Hier kann über das Projekt ein wertvoller Beitrag zur Reduktion stressbedingter Erkrankungen sowie Fehlzeiten geleistet und das Schulklima nachhaltig verbessert werden.


Bildungsgangübergreifende Projekte zu den Leitlinien

Durch die organisatorische Struktur des Projektes kann der bildungsgangübergreifende Charakter als obligatorisch betrachtet werden. Die Schülerinnen- und Schülervertretung rekrutiert ihre Mitglieder beispielsweise aus vielen verschiedenen Bildungsgängen. Verschiedene Teile des Projektes, beispielsweise die realisierten Ausstellungen, werden von Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Bildungsgängen gemeinsam entwickelt.


Konzept zur politischen Bildung am Märkischen Berufskolleg Unna

Ziel politischer Bildung am Märkischen Berufskolleg Unna sind mit Blick auf die Rahmenvorgaben (2001) und das Schulprogramm (2005) Anbahnung und Erwerb jener Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler zur angemessenen Wahrnehmung ihrer Bürgerrolle befähigen. Rationale politische Urteilskompetenz wird in diesem Zusammenhang als Indiz für politische Handlungs- und Methodenkompetenz, Reflexions- und Konfliktfähigkeit, Toleranz, Solidarität und Handlungsbereitschaft verstanden. Sie steht im Fokus didaktisch-methodischer Überlegungen.
Zum Einüben rationalen politischen Urteilens eignen sich prinzipiell Unterrichtssituationen, in denen Kontroversen thematisiert und politische Urteile gefällt werden. Anlässe können über die Auswahl der Operatoren geschaffen werden. So implizieren beispielsweise Diskutieren sowie Erörtern solche Gelegenheiten.
Entsprechende Chancen werden über das „Projekt Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ also auch und vor allem im Politikunterricht realisierbar.


Schulinterne Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung

Inzwischen findet in jedem Quartal eine von der Fachkonferenz Politik und den SV-Verbindungslehrern angeregte schulinterne Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung statt. In den ersten drei Sitzungen in November, Dezember 2010 und Februar 2011 standen persönliche Betroffenheit bei Schülerinnen und Schülern erzeugende Einstiege ins Projekt bzw. in entsprechende Unterrichtsreihen im Fokus der Veranstaltung.


R. Diettrich, Projektkoordination

Literatur:
Märkisches Berufskolleg Unna (Hrsg.): Schulprogramm des Märkischen Berufskollegs des Kreises Unna. Unna 2005.
Massing, P. (Hrsg.): Lexikon der politischen Bildung. Bonn 1999.
Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Politische Bildung. Rahmenvorgaben. Schule in NRW Nr. 5000. Düsseldorf 2001.
www.schule-ohne-rassismus.org  (Recherche am 30.11.2010)